Spiritual Care 700
(Bild: Dominik Lange)

Die Kirche versteht es seit jeher die Bedürfnisse der Menschen aufzunehmen und ihr Angebot entsprechend anzupassen, beispielsweise mit Online Video-Streaming von Gottesdiensten während dem Lockdown. Mit Spiritual Care wird ebenfalls ein akutes Bedürfnis abdeckt, das zur Bewältigung von gesundheitlichen Krisen bei Menschen seelische Kräfte freilegen soll.

Die Ergänzung der Medizin um den Glauben entspricht einem menschlichen Bedürfnis, da gerade in gesundheitlichen Krisen sich Sinnfragen stellen. Weil aber spirituelle Aspekte nicht wissenschaftlich erklär- oder beweisbar sind, stösst die klassische Medizin dabei an ihre Grenzen. Dieser Fall tritt beispielsweise in todesnahen Situationen ein, wenn die Frage imminent wird, was nach dem Lebensende passiert. Mit Spiritual Care sollen diese Sinnfragen und weitere Aspekte des Glaubens im medizinischen Kontext integriert werden. Dieser Ansatz wird von grossen Organisationen wie der WHO oder der Päpstlichen Akademie gefördert und geniesst weltweit eine breite Unterstützung.

Ausbildung und Forschung in Spiritual Care

Um Spiritual Care im klinischen Alltag umzusetzen sind interprofessionelle Fähigkeiten des Personals in der Theologie und Medizin nötig. Diese Ausbildungsmöglichkeiten sind innerhalb von Palliative Care und der Seelsorge besonders gefragt, da es in diesen Bereichen an Fachkräfte mangelt. Im Fokus der Behandlungen durch dieses Fachpersonal stehen chronisch und schwerkranke Menschen, die nebst der medizinischen Behandlung auch spirituelle Unterstützung erhalten sollen. Damit werden bei Patientinnen und Patienten seelische Kräfte freigelegt, die – ähnlich wie bei der Einnahme einer Medizin – eine merkliche Verbesserung des allgemeinen Zustands herbeiführen.

Um Spiritual Care auch auf akademischer Ebene das nötige Gewicht zu geben, wurde im Jahr 2015 an der Universität Zürich eine entsprechende Professur an der Theologischen Fakultät errichtet, die von Dr. Simon Peng-Keller besetzt wurde. Im Rahmen dieser Professur werden, nebst dem Lehrangebot und einem im Jahr 2019 errichteten CAS-Weiterbildungsstudiengang, auch verschiedene Forschungsprojekte zu diesem Thema umgesetzt. Dabei gehen Dr. Peng-Keller und sein Team auch neue Wege: ganz aktuell rund um COVID-19 mit einen Internetportal, das sich mit Spiritual Care im Kontext der Pandemie auseinandersetzt und konkrete Handlungsempfehlungen auf Basis der geltenden Regeln formuliert.

Die Professur wurde durch die Evangelisch-reformierte Landeskirche und die Römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich finanziert.

«Spiritual Care praktiziert die Kirche durch ihre Seelsorge im Gesundheitsbereich seit Jahrhunderten. Dass Forschung und Lehre in Theologie und Medizin sich dem Thema nun wissenschaftlich annehmen, ist ein wichtiger nächster Schritt, den die Kirchen gerne unterstützen.»

– Michel Müller, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich

Mehr erfahren: Spiritual Care UZH

 



X