Richard Dähler ist ein neugieriger und wissensdurstiger Mensch. «Mein Leben besteht aus 0 % Planung und 100 % Zufällen», heisst es auf die Frage, wieso er erst nach der Pensionierung das Studium der Russistik und der Japanologie an der Universität Zürich aufgenommen habe. Durch Zufälle sind auch seine Engagements für Projekte der Universität Zürich (UZH) entstanden, die ihn in den vergangenen Jahren zu einem regelmässigen und grosszügigen Spender gemacht haben.

Herr Dähler, wir treffen uns zu diesem Gespräch im Lichthof des Hauptgebäudes der Universität Zürich. Was verbinden Sie damit?
Dabei werden sehr positive Erinnerungen wach, aber auch Momente der suchenden Ungewissheit. Nach der Pensionierung wollte ich mich eingehender mit zwei Ländern befassen: Sowjetunion / Russland und Japan. Den Einstieg in die Japanologie fand ich durch eine Anzeige, in der ein einjähriger Vorbereitungskurs bei der UZH ausgeschrieben wurde. Meine Faszination für Japan entstand ab den 1960er-Jahren, zu jener Zeit war die wachsende Bedeutung Japans als Wirtschaftsmacht unübersehbar. Ich entschied mich allerdings erst nach 1975, Japanisch zu lernen.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit einer Spende für die UZH engagiert?
Erstmals im Jahr 1997. Es zeigten sich Unterstützungsmöglichkeiten in meinen zwei Studiengebieten. Im Laufe der Jahre kam auch anderes dazu, Studierende, Forschungsvorhaben, Publikationen oder Ausstellungen. Ich habe keine Schwerpunkte, sondern wähle, was mich anspricht und wo ich annehme, dass auch mit kleineren Beträgen etwas bewirkt werden kann. Welche Beziehung haben Sie zu Geld und Reichtum? Ich brauche ein Dach über dem Kopf und dreimal im Tag zu essen, was darüber hinausgeht, ist für mich persönlich überflüssig. Geld kann durch die Verknüpfung mit Ideen etwas Sinnvolles entstehen lassen. Wohlbefinden verschaffen mir die Familie, der Wissenserwerb, die Berge und das Fahrrad. Meine Eltern lebten Genügsamkeit vor: Mein Vater war ein wissensdurstiger Briefträger. Meine Mutter sang zu Hause mit schöner Stimme Kirchenlieder, schneiderte Kleider für uns Kinder, umsorgte uns und verkörperte das, was man sich von einer Mutter erhofft.

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Was motiviert Sie dazu, regelmässig für Forschungsprojekte zu spenden, und wie wählen Sie diese Projekte aus?
Thematisch bin ich für alles offen. Ich will in erster Linie ein unterstützungswürdiges Vorhaben begreifen und mir es bildhaft vorstellen können. Nachwuchsförderung ist mir wichtig. Mein Gewinn besteht darin, förderungswürdige Personen, zum Beispiel Stipendiaten, und Vorhaben zu unterstützen und mir damit neue Wissensgebiete zu eröffnen. Das alles stellt eine riesige Schatztruhe dar, in der ich gerne wühle. Denn ich bin ständig auf Entdeckungsreise.

Was erhoffen Sie sich von Ihren Spenden? Welche Wirkung sollten diese erzeugen?
Ich habe keine spezifischen Anforderungen und verbinde meine Spenden nicht mit Zielen. Mir ist bewusst, dass nicht jedes Projekt erfolgreich sein kann. Neben Erfolg braucht es hin und wieder auch Misserfolg, sonst schleicht sich Überheblichkeit ein.

Welche Ratschläge geben Sie Personen und Institutionen, die sich für die UZH engagieren wollen?
Die UZH Foundation als Stiftung der Universität Zürich leistet grossartige Arbeit, deren Reichweite auch jene erfasst, die mit dem akademischen Betrieb nicht vertraut sind. Sie schafft dank verständlicher Vermittlung der Themen eine Verbindung zwischen Akademie und Bevölkerung, ist nahbar und baut Schranken ab. Wenn man sich als potenzieller Spender mit Neugier und Offenheit mit den Themen der UZH befasst, findet man dank der grossen Vielfalt passende Projekte, die einen ansprechen und die förderungswürdig erscheinen.

Herr Dähler, besten Dank für Ihr Engagement
und für dieses Gespräch.

Zur Person
Dr. Richard Dähler (87) lebt in Zürich und war von 1951 bis 1995 im Bereich Internationale Transporte, zuletzt als Geschäftsführer bei DANZAS KK, der japanischen Tochterfirma von DANZAS, in Japan tätig. Er nahm 1996 an der UZH das Studium der Japanologie und der Russistik auf und promovierte 2006 mit Insigni cum laude.

 



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