11.03.2019 – Der UZH-Molekularbiologe Prajwal hat gemeinsam mit Forscherkollegen einen umfassenden Schnelltest zur Diagnose multiresistenter Tuberkulose-Bakterien entwickelt. Ermöglicht wurde dies durch das UZH Entrepreneur-Fellowship, das von der Werner Siemens Stiftung finanziert wird undjunge UZH-Forschende dabei fördert und unterstützt, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und Technologien kommerziell zu nutzen.

Prajwal final 1000Dr. Prajwal bei der Arbeit im Institut für Labortierkunde. (Bild: Nathalie Huber)

Tuberkulose ist eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Wer von extrem resistenten Keimen befallen ist, kann nicht mehr mit gängigen Antibiotika behandelt werden. Jährlich erkranken weltweit 10,4 Millionen Menschen an Tuberkulose und für 1,4 Millionen Erkrankte verläuft die Infektion tödlich. Die Fälle von multiresistenter und extrem resistenter Tuberkulose nehmen weltweit zu – insbesondere in den Ländern der früheren Sowjetunion, Afrika und Asien. «Ein Grund dafür ist, dass die aktuellen Diagnosetests entweder zu langsam oder zu ungenau sind, um die Keime und ihre Resistenzen zu identifizieren», erklärt der UZH-Molekularbiologe Prajwal.

Resistenz gegen alle relevanten Antibiotika getestet
Diese Lücke will der gebürtige Inder mit einer neuen, schnellen Tuberkulose-Diagnostik schliessen. Dieser Schnelltest zeigt auf, ob eine bakterielle Tuberkulose-Infektion vorliegt und welche Antibiotika gegen den Erreger wirken könnten. «Unser Test weist direkt in der Patientenprobe Resistenzen gegen Antibiotika der ersten bis zur letzten Wahl nach – und das innerhalb von 24 Stunden», erklärt Prajwal. Infizierte können dadurch schneller mit wirksamen Antibiotika therapiert werden. Im Vergleich dazu dauert der Nachweis durch eine Bakterienkultur einiges länger – bis zu 10 Wochen, wenn man das ganze Spektrum an Antibiotika testen muss.

Natürlicher Nanopartikel mit attraktiven Eigenschaften
Die für die Studien verwendeten magnetischen Nanopartikel werden nicht wie sonst üblich im Labor produziert, sondern stammen aus der Natur. Edouard Alphandéry hat dabei ein patentiertes Verfahren entwickelt, um aus einem in Gewässern lebenden Bakterium diese sogenannten Magnetosomen zu gewinnen und zu reinigen. Caroline Maake ist fasziniert von diesen potenten Winzlingen: «Sie wirken nicht nur sehr gut, sie sehen auch sehr schön aus». Mikroskopisch vergrössert zeigen sich die Magnetosomen aneinandergereiht als eine Kette im Bakterium. Im Gegensatz zu künstlich hergestellten magnetischen Nanopartikeln sind diese Magnetosomen zum Beispiel einheitlich gross, wärmestabil und sehr rein – Eigenschaften, die das neuartige Hyperthermie-Verfahren speziell wirksam machen.

Diagnostiklabore als Kunden
Die für den Schnelltest nötigen Verfahren und Software sollen gemeinsam als eine Art Baukasten an Diagnostiklabore verkauft werden. Dies ist die Geschäftsidee, die Prajwal gemeinsam mit dem deutschen Bioinformatiker Sebastian Dümcke verfolgt. Entsprechend ausgerüstete Labore werden den Zürcher Test zukünftig selbständig durchführen können. 

Gründung des Spin-offs Clemedi
Prajwal und Dümcke wollen den neuen Test möglichst schnell auf den europäischen und später auch auf den weltweiten Markt bringen. «Dazu sind wir auf weitere Investoren angewiesen», erklärt der UZH-Forscher. Gemeinsam mit Sebastian Dümcke hat er das Spin-off «Clemedi» gegründet – als wissenschaftliche Berater und Mitgründer an Bord sind zudem Thorsten Buch, UZH-Professor für Labortierkunde und Peter Keller, Tuberkulose-Experte und ehemaliger UZH-Professor. Die Vision von Clemedi ist, andere diagnostische Tests für weitere multiresistente Infektionserreger anzubieten, wie etwa für im Spital erworbene oder sexuell übertragbare Infektionen. 

Quelle: UZH News

UZH Entrepreneur-Fellowships

DIe Universität Zürich unterstützt junge Forscherinnen und Forscher in den Bereichen BioTech, MedTech und zukünftig DigitalTech durch die Vergabe von UZH Entrepreneur-Fellowships in der Höhe von CHF 150'000 für 18 Monate. Die Forscherinnen und Forscher werden auch thematisch von UZH-Experten und externen Beratern unterstützt. Die Fellows nehmen während eines Jahres am BioEntrepreneurship & Innovation (BEI) Program teil. Sie erhalten Einblick in Themen, die für die Gründung von Spin-offs wichtig sind – etwa Eigentumsrechte, Businesspläne oder Verhandlungsstrategien.

Das UZH IncubatorLab bietet den UZH Entrepreneur-Fellows Zugang zu erstklassiger Forschungsinfrastruktur für MedTech- und BioTech-Projekte. Dank der grosszügigen Donation der Werner Siemens-Stiftung konnte 2018 die Laborfläche am Institut für Regenerative Medizin • IREM im Bio-Technopark Schlieren eingerichtet werden.

https://www.researchers.uzh.ch/en/funding/postdoc/bioentrepreneur-fellowships.html

Liste bisheriger Fellows
https://www.researchers.uzh.ch/en/funding/postdoc/bioentrepreneur-fellowships/fellows.html



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