Die Zürcher Zahnmediziner können heute dank moderner Technologien Kieferknochen und Zahnfleisch nachwachsen lassen und Zähne einsetzen, die den Patienten viel vom ursprünglichen Aussehen und Gefühl zurückgeben. Mit dem neu geschaffenen Zentrum für Implantologische Forschung (ZIF) wird diese Forschung nun international koordiniert und beschleunigt. 

Thomas Gull Redaktor UZH MagazinUZH Kommunikation

ZIF1 UZHNews 12 2017pngHochkonzentriert bei der Arbeit: Zahnärztinnen und Zahnärzte des ZZM setzen einer Patientin ein neuartiges Implantat ein, auf das anschliessend eine künstliche Zahnkrone befestigt wird. (Bild: Fabio Schönholzer)

Vielleicht erinnern wir uns noch an Grossvaters dritte Zähne, die uns im Badezimmer verbissen entgegenlächelten. Wer seine Zähne verlor, wegen mangelhafter Pflege, Alter oder Unfall, erhielt früher solche Zahnprothesen als Ersatz, mit den entsprechenden Nachteilen – richtig gut beissen kann man damit nicht, man verliert einen Teil seines Sensoriums im Mund und Schönheitspreise gewinnt man auch keine.

Knochen und Zahnfleisch nachwachsen lassen

Das hat sich dank der modernen Zahnmedizin geändert, wie sie am Zentrum für Zahnmedizin (ZZM) der UZH betrieben wird. An verschiedenen Kliniken des ZZM können die Zahnärzte Knochen und Zahnfleisch nachwachsen lassen und sie setzen Zahnimplantate ein, die erlauben, die neuen Zahnkronen fest im Kiefer zu verankern. Die Implantate haben dabei die Funktion einer künstlichen Zahnwurzel, auf der die neue Zahnkrone eingeschraubt wird. «Unser Ziel ist, so weit wie möglich den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen und so die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern», erklärt Christoph Hämmerle, Professor und Direktor der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde (KBTM) an der UZH.


Ein Implantat, das im Knochen verankert wird. Es dient als Halterung für die künstliche Zahnkrone. (Bild: zVg)

Patientenmangel

Diesem Ziel kommen die Zürcher Zahnmediziner dank intensiver Forschung Schritt für Schritt näher. Gearbeitet wird dabei vor allem auf drei Gebieten: dem «virtuellen Patienten», das heisst der Digitalisierung des gesamten Behandlungsprozesses bis hin zur virtuellen Rekonstruktion des beschädigten Gebisses; der Verbesserung der Implantate und der Weiterentwicklung von Biomaterialien, welche die Regeneration des Kieferknochens und des Zahnfleisches ermöglichen.

Die Basis dafür sind Studien, in denen neue Materialien und Verfahren getestet werden. Das Problem: in Zürich gibt es oft zu wenig Patientinnen und Patienten um gross angelegte, aussagekräftige klinische Studien durchzuführen. Deshalb arbeiten die Zürcher Zahnmediziner schon seit langem mit Partnerinstituten zusammen. Davon profitierten beide Seiten, sagt Ronald Jung, Professor für orale Implantologie und Leiter Abteilung für Implantologie an der KBTM: «Dank den Forschungsnetzwerken können wir Kompetenzen bündeln und haben genügend Patienten für unsere Studien.»


Christof Hämmerle (links) und Ronald E. Jung, die Gründer des Zentrums für Implantologische Forschung (ZIF). (Bild: Fabio Schönholzer)

Global vernetzt

Vor einem Jahr sind Hämmerle und Jung noch einen Schritt weiter gegangen: Sie haben das Zentrum für Implantologische Forschung (ZIF) gegründet, das Teil der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde ist. Das interdisziplinäre ZIF soll helfen, die klinische Forschung weiter zu bündeln und zu koordinieren – in Zürich und mit Partnerinstitutionen in der ganzen Welt. Seit dem Start des ZIF im April 2016 konnten die laufenden wissenschaftlichen Projekte der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde in Sao Paulo, Boston, Seoul, Peking und Pune intensiviert und mit weiteren wertvollen Projekten ergänzt werden. Das ZIF hat dabei die Funktion eines Wissenschafts-Hubs, von dem aus die Projekte organisiert und koordiniert werden. «Mit dem ZIF stellen wir die Infrastruktur und die personellen Ressourcen zur Verfügung, die es braucht, um grosse klinische Studien durchzuführen», erklärt Ronald Jung. Diese Unterstützung wird immer wichtiger, weil die Anforderungen an solche Studien stets komplexer werden.

Schneller und besser

Die Idee hinter dem ZIF ist, diese Projektmanagementstrukturen dauerhaft zu installieren und nicht mehr nur von Fall zu Fall. Die Vorteilte liegen für Hämmerle auf der Hand: «Die Prozesse werden professionalisiert, vereinfacht und beschleunigt. Damit können wir gewährleisten, dass die Studien auf hohem Niveau durchgeführt und schneller abgeschlossen werden.» Heute daure es rund zehn Jahre, bis ein neues Produkt auf dem Markt sei, sagt Ronald Jung, «idealerweise können wir dank dem ZIF diese Zeit in etwa halbieren.» Damit werden die Zürcher Zahnmediziner zu (noch) attraktiveren Partnern für andere Forschungsinstitute und die Industrie – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

 

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